Herzlich willkommen in unserer wunderschönen Renaissancestadt!
Zamosc ist durch seine prachtvolle Architektur berühmt.
Die Altstadt von Zamosc wurde in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
Auf unserer Homepage finden Sie
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Ideale Stadt
Perle der Architektur
Stadt
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Diashow aus Renaissance-Stadt in Polen
Zamosc - Idealstadt, Weltkulturerbe, Provinz
Es klingt alles so einfach, wenn man es heute in den Geschichtsbüchern liest. Im Jahre 1578 beauftragte der polnische Magnat Jan Zamoyski den italienischen Architekten Bernardo Morando damit, auf seinen Ländereien eine Stadt zu bauen. Zwei Jahre später begannen die Arbeiten.
Dort, wo zuvor freies Land war, wuchsen Häuser und Straßen in geometrischer Anordnung empor, mehrere Kirchen, ein Schloss und gewaltige Festungsmauern. Wenige Jahre später zogen Kaufleute in die entstehende Stadt. Als die Arbeiten im Jahre 1605 abgeschlossen waren, war Zamosc nicht nur ein architektonisches Kleinod, sondern auch ein Ort, an dem Wirtschaft und Wissenschaft blühten und Menschen verschiedener Nationen friedlich zusammenlebten: eine, wie es Architekt und Bauherr vorgeschwebt hatte, steinerne Wirklichkeit gewordene Idealstadt.
Von der Idealstadt zum Idyll
Die rasante Entwicklung von damals kann man nur erahnen, wenn man heute durch das im Südosten Polens gelegene Zamosc streift. Ein Kleinod ist dessen Altstadt noch immer, vom einst geschäftigen Treiben aber spürt man nichts mehr. Einheimische Touristen in überschaubarer Zahl laufen die Arkaden entlang, steigen die mächtige Freitreppe des zweiundfünfzig Meter hohen Rathauses hinauf oder entspannen unter den Sonnenschirmen der Cafés am Großen Marktplatz.
Die Idealstadt ist im einundzwanzigsten Jahrhundert zum Idyll geworden, dessen Frieden nur eines stört: Es wird wieder gebaut in Zamosc. Nicht so großflächig wie zu seiner Gründerzeit, aber doch in solchem Ausmaß, dass der Spaziergänger immer wieder auf Absperrungen stößt, auf Gassen mit aufgerissenem Pflaster und Wasserrohre, die aus dem Boden ragen. Anders als damals ist der Geldgeber kein vermögender Großadliger, sondern die Europäische Union.
Padua des Nordens
Jan Zamoyski, geboren 1542 und gestorben 1605, war Sekretär des Königs, später als Kanzler und dann Großkanzler einer der reichsten und mächtigsten Politiker des Landes, als Hetman außerdem der zweithöchste Feldherr nach dem König, der sein Können in zahlreichen Schlachten unter Beweis stellte. Zugleich war Zamoyski ein Intellektueller, Freund und Förderer der Künste, der in Straßburg, Paris und Padua studierte, den Doktor der Rechte erwarb und kurze Zeit als Rektor der Universität Paduas amtierte. Dort entstand seine Idee, eine Stadt nach italienischem Muster zu formen, eine Spätrenaissancestadt als "Padua des Nordens".
Aus dem damals polnischen Lemberg, in dem viele ausländische Architekten arbeiteten, holte er Bernardo Morando. Morando schuf den fünfeckigen Grundriss einer sechshundert mal vierhundert Meter umfassenden Stadt mit einem schachbrettartigen Straßennetz, entwarf die wichtigsten Bauten und gab Vorgaben für die anderen. Im Zentrum ließ er den hundert mal hundert Meter großen Marktplatz anlegen, den Rynek Wielki, gleich daneben den Salz- und den Wassermarkt; dies war das Herzstück im anthroposophischen Baukonzept, bei dem das Schloss Zamoyskis als "Kopf" über die Hauptstraße als "Wirbelsäule" mit der Stadt verbunden wurde. Umgeben war Zamosc von Festungsmauern mit sieben Bastionen, drei Stadttoren und Wassergräben. Wehrhaft und doch offen sollte Zamosc sein, das 1594 mit seiner Akademie die erst dritte Hochschule in Polen erhielt. Italiener, Deutsche, Spanier, Engländer, Holländer und Schotten ließen sich bald hier nieder.
Glaubt, was ihr wollt
Als Erste jedoch kamen Armenier. Sie, die mit Stoffen, Teppichen, Gewürzen oder Waffen handelten, erhielten 1585 das Recht, in Zamosc ihren Geschäften nachzugehen; kurze Zeit später folgten die Griechen und sephardische Juden. Sie alle brachten Kapital mit in die Stadt, die im Schnittpunkt wichtiger Handelswege lag - von Vilnius nach Krakau, von der Ostsee bis hinunter ans Schwarze Meer. Neben der katholischen Kollegiatskirche, die Platz für 3000 Gläubige bot, entstand eine Synagoge. Zamosc war eine multikulturelle Toleranzstadt ohne Glaubensbeschränkungen, die Kaufleute, Künstler und Gelehrte anzog. Im Jahre 1589 wurde die Zamoyski-Ordination ins Leben gerufen, eine Art Staat im Staate, dessen Herrscher Jan Zamoyski war; seine Hauptstadt wurde Zamosc.
Das harmonische Gesamtbild der Stadt überdauerte lange Besatzungszeiten und kriegerische Jahrhunderte. Seit 1992 zählt Zamosc zum Unesco-Weltkulturerbe. Doch die goldenen Zeiten sind vorüber. Zamosc ist noch immer eine Schönheit, doch eine ziemlich verschlafene. Das mehrfach umgebaute Schloss strahlt keinen Glanz mehr aus; erst war es von der Armee genutzt worden, später diente es als Krankenhaus, heute ist es ein Gerichtsgebäude. Von der Festung sind einige Mauern und die Tore geblieben; im Jahre 1866 hatte man die Anlage gesprengt, nachdem man zu dem Schluss kam, dass sie den damaligen Anforderungen nicht mehr genügte.
Den Zamoyskis entkommt man nicht
Die im Jahr 1877 neu gebaute Synagoge, ausgestattet mit einem Becken für rituelle Bäder, hat die Zerstörungswut der Nazis überstanden. Nach dem Krieg wurde sie als Bibliothek genutzt, erlitt dann Wasserschäden und wird nun mit privatem Geld saniert. Die reich verzierten Fassaden, von denen der Putz bröckelt, kontrastieren mit dem prachtvoll blühenden Kirschbaum im Vorgarten. Jüdisches Leben findet man keines mehr in Zamosc, das für kurze Zeit den Namen "Himmlerstadt" tragen musste. Die elftausend jüdischen Bewohner flohen oder wurden deportiert und umgebracht.
Zum Teil wieder in altem Glanz strahlen die eleganten Bürgerhäuser, die den Großen Marktplatz säumen. An der Straße Bernardo Moranda findet sich ein Musterhaus des Architekten, nach dessen Vorbild die Gebäude ringsum geschaffen wurden: einheitlich zweistöckig mit Bogengängen im Erdgeschoss und gekrönt mit reich geschmückten Attiken. Die farbenprächtigsten von ihnen finden sich rechts vom Rathaus, einst erbaut von den Armeniern.
Sie beherbergen heute ein Museum, das nicht allein die Stadt-, sondern auch eine Familiengeschichte erzählt: Hinter praktisch jeder Ecke stößt man auf ein Ölgemälde eines weiteren Mitglieds der Zamoyski-Sippe. Zwar hatten die Zamoyskis im Jahre 1821 ihre Privatstadt an den Staat verkauft, die Ordination aber bestand fort bis zum Jahr 1944 und wurde bis zum Ende von der Familie des Stadtgründers geleitet. Der letzte Zamoyski an der Spitze, Jan Tomasz Zamoyski, wurde enteignet, geriet in Konflikt mit den Kommunisten und kam ins Gefängnis. 1956 wurde er entlassen.
Die Straßen sind heute anderswo
Weil es ein normaler Instinkt ist, sich an seine ruhmreiche Vergangenheit zu klammern, wundert es nicht, dass auch heute der Bürgermeister von Zamosc Zamoyski heißt. Marcin Zamoyski, der Sohn von Jan Tomasz, arbeitete als Kameramann unter anderem für das Warschauer ARD-Studio, als ihn die Anfrage erreichte, ob er sich als Stadtoberhaupt zur Verfügung stellen würde. Das war 1992. Nach einer Pause ist Zamoyski seit 2000 wieder im Amt: ein distinguierter Herr von Anfang sechzig, auf dessen Schultern die Hoffnungen der heute siebzigtausend Einwohner umfassenden Kreisstadt lasten.
"Wir überwinden langsam die Stagnation", sagt der Bürgermeister. Er sieht die Zukunft von Zamosc in der Bildung - es gibt heute zwei private und zwei staatliche Hochschulen - und im Fremdenverkehr. Doch die Arbeit ist mühsam. Der einstige Verkehrsknotenpunkt liegt heute am östlichen Rand Polens und damit fernab der üblichen Touristenrouten. Die Straßen sind schlecht, und die Zugfahrt von Warschau über Lublin nach Zamosc dauert fünfeinhalb Stunden; allein die Hälfte geht für die letzten achtzig Kilometer zwischen Lublin und Zamosc drauf. In der Nähe der Stadt gibt es einen kleinen Flugplatz für Maschinen mit bis zu achtzehn Passagieren. Ein größerer Flughafen ist in Lublin geplant. "Wir drücken ihnen die Daumen", sagt Zamoyski und beklagt sich, dass die örtlichen Grünen gegen das Projekt opponierten.
Keine idealen Bewohner
Mit der Renovierung der Stadt immerhin geht es Schritt für Schritt voran. Sechzig Millionen Euro aus dem Strukturfonds der Europäischen Union kann Zamosc verbauen, einen deutlich geringeren Beitrag steuert der polnische Staat bei. Stadttore, Fassaden und Straßenpflaster werden erneuert, bei der Gelegenheit wird auch gleich die Kanalisation modernisiert. Im örtlichen Zoo dürfen sich Tapir, Wasserschwein und Zwergflusspferd bei der EU für neue Pavillons bedanken. Die größten Sorgen macht dem Bürgermeister ausgerechnet das Schmuckstück von Zamosc, die Altstadt, deren Gebäude zu neunzig Prozent der Stadt gehören. Wer hinter die repräsentativen Fassaden schaut, sieht heruntergekommene Innenhöfe mit Außentoiletten und Balkonen, die beim nächsten Windstoß einzustürzen drohen.
Gern würde Zamoyski die Häuser an private Investoren verkaufen und grundlegend renovieren lassen. Doch die Wohnungen sind belegt. Als die Bauten zu kommunistischen Zeiten unaufhaltsam verfielen, erklärte man die Quartiere, in denen einst reiche Kaufleute und Professoren lebten, kurzerhand zu Sozialwohnungen. Deswegen zogen die Ärmsten der Armen hier ein - "besonders benachteiligte Menschen", wie Marcin Zamoyski es ausdrückt. Es sind keine idealen Bewohner für das Selbstbild der sich herausputzenden Idealstadt, weshalb man sie nun wieder loswerden und in die Plattenbausiedlungen am Stadtrand abschieben will, was, wie der Bürgermeister einräumt, "nicht immer mit ihren Vorstellungen übereinstimmt". In den Plattenbauten, versichert Zamoyski, würden die Menschen wesentlich bessere Bedingungen vorfinden als dort, wo sie jetzt lebten. Gleichwohl weiß er, dass es nicht gelingen wird, "alle Einwohner aus der Altstadt herauszuführen".
Trompeten in drei Richtungen
In nur fünfundzwanzig Jahren war Zamosc einst aus dem Nichts zum blühenden Zentrum für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur emporgewachsen. Wie lange mag es heute dauern, bis Zamosc wenigstens wieder ins Bewusstsein der europäischen Reisenden und näher an Ziele wie Breslau, Danzig und Krakau rückt? Ein Hauch von Krakau immerhin weht durch die Stadt, wenn täglich um zwölf Uhr das Trompetensolo vom Rathausturm erklingt. Der Einsatz des Trompeters ist weniger anstrengend als der seines Krakauer Kollegen, der stündlich antreten muss. Und weil Jan Zamoyski, wie es heißt, Krakau nicht mochte, bläst der Trompeter jeweils in drei Himmelsrichtungen - nur nicht nach Westen, wo Krakau liegt.
Verlässt man den Marktplatz in die Straße links vom Rathaus, stößt man auf das modernste Hotel der Stadt, das - wie es im Ort die Regel ist - vom Ruhm des Namenspatrons von Zamosc zu profitieren hoffte. Beim Bürgermeister fragte man an, ob man das Haus auf den Namen Zamoyski taufen dürfe. Er habe sich, erzählt Marcin Zamoyski, im Gegenzug eine Spende für eine Stiftung erbeten und, als diese ausblieb, seine Zustimmung verweigert. Der Hotelier hat für dieses Dilemma den nächstliegenden Ausweg gefunden: Sein Haus heißt jetzt Hotel Zamojski.
Jörg Thomann
Frankfurter Allgemeine Zeitung
27.09.2007, Nr. 225 / Seite R3